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NiersRunners 2002 e.V.

Strongman Run





Hallo Niers-Runners,

letzten Sonntag war ich auf dem Nürburgring zum Strongmanrun. Nachfolgend ein paar Eindrücke vom Lauf:

1 x Grüne Hölle und zurück
 
Ein Bericht vom Strongmanrun 2011 auf dem Nürburgring
 
Sonntag Morgen, 06.40 Uhr – der Wecker klingelt. Mist – jetzt schon - na, macht nichts, es ist ja Strongmanrun heute. Also raus aus den Federn, Zähne geputzt, Kaffee und Tee gekocht und in Warmhaltekannen gefüllt. Tasche gegriffen, Nachbarin Heike, die mitkommt, steht auch schon vor der Tür.
 
Ulrike winkt einen letzten Gruß – "Ruf mich bitte an, wenn Du durch bist – und Heike, wenn er sich was bricht, kannst Du ja zurückfahren – und wenn's was Schlimmes ist, lass es wie einen Unfall aussehen. Du weißt ja, die Versicherung zahlt bei Unfall das Doppelte." Ja, Ja, meine Frau macht sich wie immer Sorgen um mich. Den Anruf verspreche ich natürlich.
 
Die Fahrt über die A 61 vergeht im Nu, pünktlich um 09.00 Uhr sind wir am Ring. Nachbar Ingo gibt via Handy den Livekommentar zum Start des F1-Rennens in China. Saublöd, Vettel verliert beim Start zwei Plätze – ist das schon ein schlechtes Omen?
 
Zunächst geht's gemütlich über den Ringboulevard. Jede Menge Menschen, viele holen die Startunterlagen jetzt erst ab. Überall fachsimpeln, Erinnerungsfotos machen usw. Danach gehen wir zur Rennstrecke, erste Eindrücke vom Start/Ziel-Bereich. Sieht alles viel größer und weitläufiger aus als in Weeze. Macht einen guten Eindruck. Letzter Toilettengang, dann Abgabe der Klamottentasche. Um 11.20 Uhr stehe ich in der Startaufstellung. Prima Stimmung. Alle reden miteinander – die meisten fragen sich, wie die Unter­schiede zu Weeze sein werden. Immer wieder "La Ola – die Welle". Dann, kurz vor 12.00 Uhr – Hells Bells von AC/DC. Traditionell das letzte Lied vor dem Start. Besonderheit: Der Veranstalter gönnt uns einen Original Formel-1-Start. Die roten Lampen über der Strecke gehen eine nach der anderen an, dann alle aus und der Startschuss fällt. Vor mir liegen zwei Runden à 10 km mit jeweils 14 Hindernissen.
 
Zunächst ein Stück Asphaltstrecke, dann das erste Hindernis – Strohballen und Reifenstapel im Wechsel – davor gleich der erste Stau. Danach geht es über ein Kiesbett raus aus der eigentlichen Ringarena und ab ins Gelände. Weitere Hindernisse folgen, alle nicht so schwer wie vorher beschrieben. Das Gelände fällt stetig ab – au weia, das müssen wir später alles wieder rauf! Hindernis "Down Under" ist enttäuschend. Man muss nicht schwimmen, steht nur bis zum Bauchnabel im Wasser und kann unter den Baumstämmen durchgehen. Danach wird's knackig, ständig bergauf über lockere Erde, Steine, Geröll. Zum Abschluss ein steiler Hügel hoch und steil bergab auf der anderen Seite und man landet am "Schicksalsberg". 1 km Asphalt – wieder nur bergauf, oben warten vier Strohballen­hindernisse. Ich trabe los, die Pumpe ächzt, die Lunge saugt gierig nach Sauerstoff. Vor den Hindernissen wieder Stau und die Gelegenheit, Luft zu schöpfen. An den Strohballen Verwunderung: Da kommt man ja gar nicht hoch – also einen Arm in die Luft gestreckt – von oben packt einer zu und zieht mich rauf. "Mach weiter" keucht er, springt runter und rennt weiter. Ich dreh mich rum, greife eine Hand und ziehe den Nächsten hoch. "Weitermachen" – runterspringen, laufen bis zum nächsten Strohhindernis. Das Ganze viermal, dann ist man durch. Super, wie sich hier alle helfen.
 
Ab km 5 geht es wieder abwärts – Verpflegungsstation, schnell eine halbe Banane und einen halben Becher Isogetränk. Hilft sowieso nicht – aber der Glaube versetzt Berge. Dann wieder im Ringgelände – elende Kiesbetten und jetzt auch noch einen Kieshügel. Irgendwann auf dem großen Freiplatz hinter den Boxen die Schlammpassage. Jetzt bloß keinen Schuh verlieren – vor mir humpeln schon die ersten auf nur einem Schuh oder auf Strümpfen. Gut gegangen, da kommt schon die Eifelnordwand – Stroh so weit das Auge reicht. Zum Glück stufenförmig angeordnet. Geschafft und weiter, letztes Hindernis "Krabbeln unter Gittern mit 50- 70 cm Bewegungsfreiheit. Untergrund? Kies, was sonst. Neben mir hör ich "Scheiße – meine Knie", ich denk's nur. Danach Start- und Zielgerade, ein Blick zur Uhr: 1.29,30 h – super, vielleicht schaff ich es unter drei Stunden?
 
Zweite Runde – die Staus vor den Hindernissen haben sich verflüchtigt. An manchen Erschöpften laufe ich vorbei, viele überholen mich. Zwischendurch Bananen und nochmals Bananen. Vorsicht an den Verpflegungsstationen, der Boden ist wegen der Schalen superrutschig. Einer knallt hin – Bananenschale – flucht, steht auf und rennt weiter. Am Hügel vor dem Schicksalsberg erwischt es mich. Auf der Rückseite rutsche ich aus und lande hart auf meinem linken Hinterteil. Mir wird schwummrig vor den Augen. Ich gehe ein paar Schritte. Von hinten schlägt mir einer auf die Schulter: "Beiß die Zähne zusammen – Du schaffst das schon!" Also fange ich wieder an zu traben. An den Strohballen das bekannte Spiel: Arm hoch – schwupp ist man oben – umdrehen – einen Hochziehen (Warum krieg ich eigentlich immer die 100 kg – Typen?) – runterspringen – nächste Ballenbarriere usw.
 
Ab km 15 wieder alles easy (?). Ein letztes Mal Banane, dann die restlichen km, ein bisschen Schlamm, ein bisschen Stroh, ein bisschen Kies für die Knie. Und dann Zielgerade. Wo sind meine Mechaniker, die mir durch die Zäune zujubeln? Quatsch, das ist ja ein anderer Sport. Aber das Gefühl, die Startpositionen auf dem Asphalt von der 33 bis zur 1 runterzulaufen ist grandios. Die Uhr bleibt bei 2.56,00 h stehen und ich bin durch. Medaille, Warsteiner alkoholfrei, Finishershirt. Irgendwo Heike, die Fotos macht und meine Klamottentasche.
 
Um 15.45 Uhr sind wir wieder am Auto, stehen dann knapp zwei Stunden auf dem Parklatz bis wir wegkommen, haben aber viel Spaß mit einer Truppe aus Regensburg, die neben uns wartet, beim 5:1 Sieg der Bayern gegen Leverkusen. Ach ja, Ulrike habe ich auch gleich angerufen – sie war aber inlinern. Um 19.30 Uhr Heimkehr im Triumph (ha ha).
 
P.S. Um 22.00 Uhr waren alle Klamotten samt Schuhen schon wieder sauber!
 
P.P.S. Am Montag Abend habe ich mich für den Strongmanrun 2012 vorangemeldet.
 
Matthias Stürmlinger